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Was ich in Berlin über Crowdfunding gelernt habe

Mehr als Betteln: Learnings von der co:funding

Spätestens seit dem Hamburger Musik Forum zum Thema Crowdfunding – Hype oder Zukunft der Musikfinanzierung?, das ich mitorganisiert habe, weiß ich, was Crowdfunding ist.
Dennoch oder gerade deswegen wollte ich mehr erfahren und fuhr am 15. April nach Berlin auf die Crowdfunding-Konferenz co:funding.
Vom Buzz der gleichzeitig stattfindenden Blogger-Konferenz re:publica bekam ich am Rande einiges mit, doch die meiste Zeit verbrachte ich im Quatsch Comedy Club neben dem Friedrichstadt Palast und lauschte den Beiträgen. Insgesamt war die Veranstaltung gut organisiert und hat mich wirklich inspiriert. Für alle, die nicht dabei waren, hier in Kurzform, was ich bemerkenswert und wichtig fand. Die Reihenfolge ist eher chronologisch als nach Wichtigkeit geordnet.

1. Förderer mitten drin. Bei jedem Projekt müssen die Leute, die Geld geben, einbezogen werden, nicht nur Zuschauer sein. Das macht Sinn. Immerhin werden nur diejenigen, die auch einen engeren Kontakt wünschen und sich mit dem Projekt identifizieren in die Tasche greifen.

2. Du musst Marktschreier sein. Es reicht nicht, sich an “Freunde und Mutti” zu wenden. Wer sein Projekt finanziert haben will, muss sich bemühen, neue Fans / Förderer zu finden und adäquat anzusprechen.

3. Crowdfunding als Vorqualifizierung. Vielleicht kann zukünftig die Kulturförderung Projekte als Vorauswahl nutzen: Bei erfolgreicher Finanzierung des Projektes, gibt die Kulturförderung nochmal 50% dazu… oder so.

4. Die Kommunikation beginnt schon lange vor dem Projekt. Fans und neue potenzielle Förderer müssen schon lange VOR Beginn des Crowdfunding-Projektes angesprochen und “heiß” gemacht werden. Nur so kann ein Schneeballeffekt in der Community losgetreten und unterstützt werden.

5. Persönlich danken. Nach Abschluss des Projektes sollte die Band ein Dankesschreiben persönlich unterschreiben, verfassen, verschicken. Die mühsam aufgebaute Beziehung mit den Förderern sollte nicht mit Erreichen der Finanzierung abrupt enden.

6. Logistik nicht unterschätzen. Wenn das Geld eingesammelt ist und das Projekt startet, müssen die Förderer ihre gekauften Produkte auch erhalten. Evaluiert vorher genau, wie groß der Aufwand wird und wer das alles organisieren und tun soll.

7. Videobotschaften rocken! Persönliche Botschaften sind nach wie vor der beste Weg, sein Projekt zu beschreiben und glaubwürdig um Unterstützung zu bitten. Eine oder mehrere Videobotschaften können Wunder wirken.

8. Nicht nur nebenbei. Fanmanagement ist ein Fulltime-Job. Darin waren sich alle Panelteilnehmer einig. Es ist harte Arbeit, genug Fans für ein Projekt anzusprechen, zu gewinnen und bei Stange zu halten. Fanmanagement ist Fulltime-Job

9. Mehrmals wöchentlich. Kontakte müssen ungefähr drei Mal pro Woche kontaktiert werden. Mal ein kurzes Update, mal eine Sondergeschichte. Jedes Projekt ist natürlich anders, aber drei Mal pro Woche ist eine gute Richtlinie.

10. Am Ball bleiben. Fankontakt ist aufwendig aber notwendig. Alle Kanäle, wie E-Mail und Social Media müssen bewusst eingesetzt werden. Jede E-Mail und jede Anfrage muss beantwortet werden. Das ist der Deal. Zusätzlich sollte man neue Leute finden, in Foren, Fangruppen ähnlicher Bands und Gruppen, etc.

11. Give to share. Gib’ Unterstützern etwas, was sie selbst in ihren Communities verbreiten können. Viele von ihnen wollen gerne, wissen aber nicht wie und was. Wenn ihnen konkret Inhalte und Anweisungen an die Hand gegeben werden, dann werden sie gerne Advokaten des Projektes.

12. Leidenschaft. Wie sagte Maxwell Salzberg, Gründer vom Open Source-Netzwerk Diaspora so schön: “Crowdfunding finances what people are passionate about.” Wer nicht selbst mit Herz und Seele an sein Projekt glaubt, kann nicht von anderen erwarten, es (mit Geld) zu unterstützen.

Reicht erst mal, oder? Gerne debattiere ich mit Euch über Crowdfunding. Was meint Ihr zu diesen Tipps?