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Tastemaker = stilprägende Person(en)

Tastemaker oder: Wer macht Dich berühmt?

Wer sich auf seine Seifenkiste auf den Marktplatz stellt und seine Musik anpreist, ergattert Aufmerksamkeit. Besser ist es natürlich, wenn man Leute findet, die in jeder Stadt auf jedem Marktplatz für deine Musik werben. Noch besser wird es, wenn es die Leute sind, denen das Publikum auch zuhört und eine Bewertung zutraut.

Wer sind also die Leute, die einen weiter bringen, weil sie andere positiv beeinflussen? In einem Bericht des Digitalvertriebs finetunes von der Music Connected-Veranstaltung in London dieses Jahr werden Impulse gegeben, die ich hier auf deutsch zusammenfassen möchte. Der Orginalbeitrag ist auf englisch hier zu lesen.

Auf dem Panel “The Real NewTastemakers” tauschten unter der Moderation von Paul Brindley (Music Ally) Sean Adams (DrownedInSound), Gill Mills (iCast), Chris Cass (Gracenote), Stuart Davie (Matador Records), Nikhil Shah (MixCloud) und Gregory Kris (Decibel) ihre Erfahrungen aus.

Wie Leute neue Musik finden

Laut Gregory von Decibel gibt es drei Wege, neue Musik zu entdecken:

  • Soziale Empfehlung (online or offline)
  • Kauf-Empfehlung (“Leute, die dies gekauft haben, kauften auch XYZ”)
  • Eigene Entdeckung (durch Medien, Zufall oder… Tastemaker)

Sean von DrownedInSound findet die meisten neuen Tracks auf Message Boards oder im Radio. Für ihn verstärkt das Internet lediglich die Menge an möglichen Entdeckungen.

Die eigene historische Reise ist in den Augen von iCasts Gill der Startpunkt für die Entdeckung von Musik für viele Leute. Sie suchen nach Musik, die ihnen gefallen hat, als sie noch jünger waren [wobei sich die Frage anschließt, wie sie in jungen Jahren auf neue Musik gestoßen sind...]. Dadurch entdecken sie nicht nur Songs, zu denen sie einen persönlichen Bezug haben, zum zweiten Mal. Sie finden außerdem neue, möglicherweise ähnliche Musik. Diese Leute möchten gerne Beschreibungen wie “klingt wie Aerosmith in frühen Jahren” lesen.

Chris von Gracenote unterstreicht diese Aussage und fügt hinzu, dass es heute viel einfacher ist, den Song, den Du aus Deiner Schulzeit kennst und summen kannst, auch schnell findest. Noch vor ein paar Jahren war das schwieriger, besonders, wenn man legal diese Musik beziehen wollte. Dieses Phänomen sieht Stuart von Matador besonders bei Spotify-Nutzern. Sie suchen Songs, die sie aus der Vergangenheit kennen. Mehr noch: Sie teilen diese Fundstücke dann gerne mit Ihrer Community. Das “Mixtape” ist also nach wie vor sehr lebendig, wenngleich es über Dienste wie YouSendit, Soundcloud oder Dropbox verbreitet wird. Streaming-Dienste, die eine Mixtape-Funktionalität anbieten, sind also auf dem richtigen Weg. Besonders, wenn es vereinfacht wird, diese “Tapes” dann auch auf Facebook, Twitter oder sonstigen Social-Channels mit den eigenen Freunden zu teilen.

Die nächste Frage war, wie “verkauft” man seine Künstler und Musik an diejenigen, die die gute Nachricht verbreiten sollen. Einstimmig war die Meinung, “nur” ein guter Track reiche schon lange nicht mehr aus. Die Geschichte darum und dahinter sei entscheidend.

Wie erreicht man Tastemakers?

Sean überraschte das Publikum mit der Aussage, er sehe niemanden, der auf Facebook Musik mit anderen teilt. Die anderen Panelteilnehmer sahen dies anders. Die Message daher: Finde heraus, ob Deine Musik auf Facebook das richtige Publikum erreicht oder ob andere Kanäle für Deine Zwecke besser geeignet sind.

Ein weiterer wichtiger Hinweis war, dass die Tastemaker nicht unbedingt aus dem Musikbereich kommen müssen. Wenn Jessica Alba oder Stephen Fry (in England bekannt wie hier von Hirschhausen) Bands empfehlen, hat das einen sehr positiven Effekt auf Verkäufe. Besonders YouTube-Videos werden häufig genutzt, um den eigenen Freunden Musik zu empfehlen.

Warum? Weil diese sich extrem leicht mit anderen teilen lassen. Gill wies noch einmal besonders darauf hin, dass Labels ihre Langzeitziele im Auge behalten müssen. Im Zusammenhang mit der oben genannten Geschichte, die zu jedem Werk gehören sollte, ist dies essenziell. In ihren Augen sind natürlich diejenigen wichtig, die “es als erste gehört” haben. Allerdings sind diese Tastemaker dann auch schnell wieder auf der Suche nach dem nächsten Hit, den sie gefunden haben. In diesem Falle sind die eher eine Kurzexplosion als ein langes Feuer des Interesses [... OK, diese Metapher habe ich mir gerade ausgedacht...]. Man solle sich lieber auf die wirkliche einflussreichen Leute konzentrieren. Beispielsweise können die eigenen Fans gut als Sprachrohr eingesetzt werden. Auch Seiten wie DrownedInSound sind nach wie vor gute Quellen für neue Musik und werden von Interessierten auch als solche genutzt.

Manchmal kann die Geschichte auch von der eigentlichen Musik losgelöst werden. Musiker beschreiben beispielsweise die “5 schönsten Burgen in Schottland” oder “Warum ich vegan wurde”. Diese können sich dann in den Medien gut platzieren und somit die Standardfangemeinde entsprechend ausbauen. Nikhil stimmte diesem zu und erwähnte, dass eine der beliebtesten Streams auf Mixcloud eine Playlist sei, in der DJ Premier “A Decade of Dubstep” vorstelle. Also eine gute Geschichte und eine Verbindung zu Musik.

Wie sieht die Zukunft aus?

Für die beiden Vertreter der Metadaten-Anbieter liegt die Zukunft logischerweise in Daten. Die Verknüpfung relevanter Daten sei das A und O.

Nur wenn die Suche nach “klingt so ähnlich wie Guns ‘n Roses” oder “Musik für ruhige Stunden zu zweit” durch entsprechend gut geführte Metadaten gut funktioniert, wird der Konsument so auch neue Musik finden wollen. Zudem ermöglicht so eine ausgeweitete Metadatenbasis den Shops, bessere Produkte anzubieten. Außerdem ist diese Verknüpfung wichtig, denn dadurch macht sich das Label schon nach (bei?) der Produktion Gedanken zur Geschichte hinter der Musik.

Laut Sean Adams wird die Finanzierung von Musik durch Unternehmen eine wichtigere Rolle spielen. Fußballvereine werden schon durch Sponsorship unterstützt, warum dann nicht auch Musiker? Auch der Zeitfaktor sollte nicht unterschätzt werden. Menschen werden immer bereit sein, für Dinge zu bezahlen, die ihnen Zeit sparen. Vielleicht wird es eines Tages bezahlte Coaches geben, die Musik für Konsumenten auswählen, ähnlich den “Personal Shoppern”, die es in Kaufhäusern ja bereits gibt.

Stuart gab drei Tipps:

  1. Find a voice – z.B. kann auch eine Getränkefirma als Sponsor und Sprachrohr dienen.
  2. Keep your fans – stelle sicher, dass Du Deine bestehenden Fans bei der Stange hältst
  3. Radio & Press – Im Radio und in auflagenstarken Medien, wie der Welt am Sonntag, aufzutauchen ist nach wie vor wichtig

Zusammenfassung

Die Kernaussagen sind wohl die folgenden:

  • Nutze die Social Media-Kanäle, aber vernachlässige die traditionellen Kanäle nicht, sie sind noch immer wichtig
  • Viele unterschiedliche Menschen spielen eine Rolle beim Finden neuer Musik, finde diejenigen, die Deine Musik weiterverbreiten können
  • Kombiniere Technologie mit echtem Dialog mit echten Menschen
  • Eine gute Geschichte kann selbst ein wichtiger Botschafter Deiner Musik werden

Stimmt so? Ist Quatsch? Was sind Eure Erfahrungen?

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